Medikamentenopfer

Anschreiben vom 13.8.2025 an die Bundesregierung, die Bundestagsfraktionen und die internationale Presse



Betreff: Aufarbeitung von geheimen und unerlaubten / illegalen Medikamentenversuchen im Gesundheitswesen der damaligen DDR sowie Haftanstalten / Krankenhäusern die von Mitarbeitern und Ärzten beauftragt vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR abgesichert durch das MFS der DDR Schwerpunkt Charité in Berlin Ost vollzogen wurden.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

mit diesem Schreiben möchten wir die Bundesregierung auf einen schwerwiegenden Medizinskandal und schwere Menschenrechtsverletzung aufmerksam machen, der in der ehemaligen DDR stattfand und bis heute nicht mal im Ansatz aufgearbeitet wurde. Es geht um die geheimen Medikamentenversuche, die an ahnungslosen Probanden und vulnerablen Gruppen durchgeführt wurden – oftmals wurden diese im Auftrag des Außenhandels der DDR für westdeutsche Pharmaunternehmen, insbesondere in der Berliner Charité umgesetzt.

 

Nach aktuellen Erkenntnissen wurden zwischen 1983 und 1989 mehr als 600 Medikamententests an etwa 50.000 Menschen in 50 Kliniken der DDR durchgeführt. Die betroffenen Patienten wurden kaum oder gar nicht über die Risiken informiert, und einige Versuchsreihen mussten aufgrund schwerer Nebenwirkungen abgebrochen werden. Es kam sogar zu Todesfällen, etwa bei Tests mit Herzmedikamenten in Suhl, Erfurt und Bad Berka. Besonders erschütternd ist die Tatsache, dass auch Babys und Kinder Teil dieser Versuche waren – beispielsweise durch die Gabe von Erythropoetin (Epo) zur Förderung der roten Blutkörperchen. Gleichzeitig gibt es Aussagen von hauptsächlich weiblichen politischen Häftlingen die Medikamente zur Ruhigstellung verabreicht wurden die zu starken Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem und Schädigung anderer Organe geführt haben.

 

1. Die Verabreichung von Dopingmitteln zum Test an weiblichen Häftlingen ist ebenfalls bekannt. Psychopharmaka-Tests in Haftanstalten: In Gefängnissen wie Bautzen, Hohenschönhausen und anderen wurden politische Gefangene mit Psychopharmaka behandelt, oft ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung. Es gibt Berichte über Tests mit Medikamenten zur Manipulation des Bewusstseins, die das Denkvermögen und die Widerstandsfähigkeit der Häftlinge beeinträchtigen sollten.

 

2. Tests mit Beruhigungsmitteln und Schlafmitteln: Einige Häftlinge berichteten, dass ihnen Medikamente gegen Schlaflosigkeit verabreicht wurden, die extreme Müdigkeit und Desorientierung hervorriefen. Diese Versuche dienten möglicherweise dazu, politische Gefangene gefügiger zu machen und ihre Aussagen bei Verhören zu beeinflussen.

 

3. Versuche mit Immun-Suppressiva: Es gibt Hinweise darauf, dass politische Gefangene Immun-Suppressiva erhielten, um ihre körperliche Widerstandskraft zu schwächen. In einigen Fällen wurde Häftlingen, die zuvor gesund waren, ein geschwächtes Immunsystem bescheinigt, um sie für weitere Experimente anfälliger zu machen.

 

4. Fragwürdige Impfstoffstudien: Politische Gefangene könnten bei Tests mit Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder Tuberkulose beteiligt gewesen sein. Da medizinische Unterlagen oft nicht erhalten geblieben sind, ist die genaue Anzahl und Art der Tests schwer zu bestimmen.

 

5. Experimente zur Wirkung von Schmerzmitteln: In einigen Berichten wird beschrieben, dass Häftlinge ohne Betäubung Operationen oder schmerzhafte Prozeduren über sich ergehen lassen mussten, um die Wirkung neuer Schmerzmittel zu testen. Diese Versuche waren nicht nur medizinisch fragwürdig, sondern auch ein klarer Verstoß gegen grundlegende Menschenrechte. Viele der Betroffenen litten noch Jahre später unter den Folgen dieser Tests. In Westdeutschland waren diese Versuche verboten umso mehr bot sich das SED-Regime an.

 

6. Medizinische Experimente an vulnerablen Gruppen wie schwangeren Frauen auch minderjährige mit angeblicher Alkoholsucht oder anderen Vorerkrankungen wurde ab 1983 besonders in diese Versuche einbezogen, um Medikamente aus damaligen westdeutschen Fabrikationen zu testen.

Die Folgen waren verherrend, oftmals mit geschädigten Kindern, die bis heute darunter leiden. Dieser Personenkreis muss in Entschädigungsleistungen und als Opfer des SED-Regimes anerkannt und eingegliedert werden.

Die hohe Sterblichkeit unter 65 Jahren von ehemaligen politischen Gefangenen der DDR könnte hier ebenfalls mit erklärbar sein, hinzu kommen immer wieder Berichte ,dass diese in Untersuchungshaftanstalten des MFS gezielt verdeckter radioaktiver Bestrahlung ausgesetzt wurden. Die Untersuchungen dazu wurden voreilig wegen mangelnder Beweise eingestellt.

 

Fazit;

 

Eine Aufarbeitung in Deutschland erfolgt nur sehr schleppend!

Die vollständige Aufarbeitung dieser Fälle hat bis heute nicht stattgefunden, kein beteiligter Arzt oder Mitarbeiter des Gesundheitswesens der DDR wurde dafür zur Rechenschaft gezogen. Die Durchführung dieser Tests war nicht nur ethisch höchst fragwürdig, sondern auch ein direkter Verstoß gegen medizinische und menschenrechtliche Grundsätze. Die DDR-Regierung profitierte finanziell von diesen Studien, indem sie hohe Summen von Pharmaunternehmen aus dem Westen erhielt

 

Wir fordern daher:

 

1.Eine umfassende Untersuchung / Untersuchungsausschuss durch eine unabhängige Kommission und Bundesarchiv/ Behörden der Medikamentenversuche in der DDR insbesondere der Berliner Charité und deren langfristige Auswirkungen auf die Betroffenen.

 

2. Eine öffentliche Entschuldigung sowie eine strafrechtliche Verfolgung der Ärzte bei nachweislichem Tod der Probanden, eine angemessene Entschädigung für die Opfer dieser Versuche durch die

Pharmaunternehmen / Einführung einer Meldestelle bei der SED-Opferbeauftragten und Unterstützung für die Betroffenen.

 

3. Die Offenlegung aller verfügbaren Dokumente und eine transparente Aufarbeitung und Veröffentlichung durch unabhängige Experten. Die Bundesrepublik Deutschland trägt auch nach der Wiedervereinigung eine historische Verantwortung, diese Menschenrechtsverletzungen weiter aufzuklären und den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wir bitten Sie daher dringend, sich dieser Angelegenheit anzunehmen und entsprechende Maßnahmen zur Aufklärung zu ergreifen.

 

Gerne unterstützen wir Sie.

Anlagen / Präzedenzfall Brigitte Heinisch

 

Kurzbiographie sowie Beweismittel der Übergriffe und der Beteiligung des MFS der DDR

Dokumente

 

Initiative für Gerechtigkeit der Opfer der Kommunistischen Diktatur e.V./ Dachverband

Mike Mutterlose

Bundesvorsitzender der IGOKD


Anschreiben vom 8.10.2025 an die SED-Opferbeauftragte

An die SED Opferbeauftragte

Evelyn Zupke

Platz der Republik 1

Berlin

Hanau, den 08. Oktober 2025

 

Betreff: Bitte um Anhörung und Koordination eines interministeriellen Treffens zur Aufklärung medizinischer Menschenversuche in der DDR

 

Liebe Evelyn Zupke,

 

vielen Dank für ihren Brief vom 17.September 2025.

Es geht um die bislang unzureichend erforschten und dokumentierten medizinischen Menschenversuche in der DDR, die insbesondere an schwangeren Frauen, politischen Häftlingen sowie willkürlich ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt wurden. Die Berichte über diese geheimen und unmenschlichen Praktiken sind erschütternd und werfen bis heute viele unbeantwortete Fragen auf – sowohl hinsichtlich der Verantwortlichen als auch der wissenschaftlichen und institutionellen Begleitstrukturen.

Trotz erheblicher finanzieller Mittel, die in den letzten 35 Jahren in die Forschung und Aufarbeitung investiert wurden, ist der Erkenntnisstand aus Sicht der Betroffenen und ihrer Angehörigen kaum einsehbar. Es fehlt an Transparenz, an öffentlich zugänglichen Ergebnissen und vor allem an konkreter Hilfe für die Opfer.

 

Daher bitten wir Sie, als SED-Opferbeauftragte, um die Einberufung einer Anhörung mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundesministeriums für Gesundheit, der Charité Berlin, den relevanten Aufarbeitungsinstitutionen sowie der Ministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothea Bär (/CSU Ziel dieses Treffens sollte sein:

  • Eine Übersicht über den aktuellen Forschungsstand und die bisher gewonnenen Erkenntnisse zu erhalten
  • Die Rolle der beteiligten Institutionen Charité kritisch zu hinterfragen
  • Einen Eckpunkteplan zu erarbeiten, der konkrete Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen vorsieht
  • Die Grundlage für eine interministerielle Koordination zu schaffen, um die Aufarbeitung nicht weiter zu verzögern
  • Ein weiteres Abwarten über Jahre hinweg ist den Betroffenen nicht mehr zuzumuten. Die Zeit drängt – sowohl aus humanitärer als auch aus historischer Verantwortung.

Vorschlag:

Eckpunkteplan zur Aufklärung medizinischer Versuche in der DDR

 

1. Zielsetzung

  • Transparente Aufarbeitung der medizinischen Menschenversuche in der DDR an schwangeren Frauen, politischen Häftlingen und willkürlich ausgewählten Bürgern.
  • Sichtbarmachung der Forschungsergebnisse der letzten 35 Jahre und deren gesellschaftliche Relevanz.
  • Schnelle Hilfe und Anerkennung für die Betroffenen durch konkrete Maßnahmen und politische Unterstützung.

2. Institutionelle Anhörung und Koordination

  • Einberufung einer Anhörung mit:
  • Bundesministerium für Gesundheit
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Charité Berlin
  • Bundesarchiv / BStU (Stasi-Unterlagen-Archiv)
  • SED-Opferbeauftragte
  • Vertreter, der Opferverbände
  • Ziel: Abgleich des Forschungsstandes, Klärung offener Fragen, Entwicklung gemeinsamer Strategien.

3. Klärung offener Fragen zur Nachwende-Forschung

  • Wo befinden sich die Untersuchungsberichte der 1990er Jahre?
  • Welche MfS-Akten wurden ausgewertet, und welche sind noch unerschlossen?
  • Welche Rolle spielte die Charité Berlin in der Forschung und Aufarbeitung?
  • Warum sind viele Ergebnisse nicht öffentlich zugänglich?
  • Welche Studien wurden mit öffentlichen Mitteln finanziert – und welche Ergebnisse liegen vor?

4. Forschungstransparenz und öffentliche Dokumentation

  • Einrichtung eines digitalen Archivs mit allen verfügbaren Studien, Berichten und Aktenauswertungen.
  • Veröffentlichung eines Jahresberichts zur Aufarbeitung medizinischer DDR-Verbrechen.
  • Förderung unabhängiger Forschung mit Betroffenenbeteiligung.

 

5. Betroffenenhilfe und Anerkennung

  • Einrichtung eines Soforthilfefonds für medizinisch geschädigte Opfer.
  • Ausbau psychologischer und medizinischer Versorgungsangebote.
  • Entwicklung eines Anerkennungsmodells (z. B. Rentenzuschläge, Rehabilitationsleistungen).
  • Schaffung eines Gedenkortes mit Bildungsangeboten.

6. Politische und gesellschaftliche Verankerung

  • Aufnahme des Themas in die Bundesstrategie zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
  • Integration in schulische und universitäre Bildungsprogramme.
  • Förderung von Dokumentationen, Ausstellungen und Publikationen.

7. Zeitplan und Umsetzung

  • Q1/2026: Anhörung und Koordinierungstreffen
  • Q1/2026: Veröffentlichung eines Zwischenberichts
  • Q2/2026: Einrichtung Soforthilfefonds und digitales Archiv
  • Q3/2026: Start öffentlicher Bildungs- und Gedenkinitiativen

Wir stehen Ihnen für ein persönliches Gespräch jederzeit zur Verfügung und würden uns über eine Rückmeldung Ihrerseits sehr freuen.

 

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Mike Mutterlose

Bundesvorsitzender der

IGOKD